DWGR

Mitgliederumfrage 2026: Automatisierung und KI auf dem Vormarsch

Die diesjährige Umfrage der Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden (DWGR) unter Bündner Unternehmen zeigt, dass die Geschäftslage trotz weltwirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin als stabil beurteilt wird. Auch die Erwartungen bis Ende 2026 sind grundsätzlich positiv. Gleichzeitig macht die Umfrage deutlich, dass die wirtschaftliche Situation stark branchenspezifisch geprägt ist. Die Umfrage zeigt auch, dass zahlreiche Bündner Unternehmen bereits über einen hohen Digitalisierungsgrad verfügen und Künstliche Intelligenz sich zunehmend im Unternehmensalltag etabliert.

Der Arbeitskräftemangel bleibt weiterhin die grösste Herausforderung für die Bündner Unternehmen, hat sich jedoch erneut leicht abgeschwächt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zudem, dass der Mangel an Gewerbeflächen und Wohnraum für Mitarbeitende steigt. Ausserdem machen die Antworten deutlich, dass ein beachtlicher Teil der Bündner Wirtschaft die Grundlagen der Digitalisierung weitgehend geschaffen hat, wobei Effizienzsteigerung der wichtigste Digitalisierungstreiber ist. Der Fokus verschiebt sich nun von der technischen Einführung hin zur Optimierung von Prozessen, Nutzung von Daten und Weiterentwicklung der digitalen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Insgesamt zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der Betriebe bereits KI-Anwendungen nutzt, darin klare Vorteile sieht und künftig Entlastungen sowie Produktivitätsgewinne erwartet. Bündner Unternehmen sehen KI daher als Chance und der nächste Entwicklungsschritt liegt vor allem im Kompetenzaufbau und in der Umsetzung konkreter Anwendungen. Allerdings führt der KI-Einsatz derzeit noch nicht einheitlich zu einer Arbeitsentlastung. Viele Unternehmen befinden sich in einer Anfangsphase, in der Implementierung und Anpassung zunächst zusätzliche Ressourcen beanspruchen.

Positive Geschäftslage mit Unterschieden nach Branchen

75 Prozent der Betriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut. Zwei Drittel erwarten bis Ende 2026 eine stabile Entwicklung, 15 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, während lediglich drei Prozent eine Verschlechterung erwarten. Gleichzeitig stufen 35 Prozent der Unternehmen die allgemeine wirtschaftliche Lage als herausfordernd ein. Wie bereits im Vorjahr, ist für rund 14 Prozent die weitere Entwicklung nicht absehbar.
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage unterscheidet sich signifikant zwischen den Branchen. Dies zeigt, dass die wirtschaftliche Situation der Bündner Unternehmen stark branchenspezifisch geprägt ist. Während einzelne Branchen von stabilen Marktbedingungen profitieren, stehen andere unter stärkerem wirtschaftlichem Druck. Besonders positiv wird die aktuelle Geschäftslage von Unternehmen aus dem Baugewerbe, dem Finanz- und Immobilienbereich sowie tourismusnahen Branchen beurteilt. Vergleichsweise zurückhaltender fällt die Einschätzung im verarbeitenden Gewerbe, im Detailhandel sowie im Autogewerbe aus. Unterschiede nach Unternehmensgrösse, Region oder Exportorientierung konnten demgegenüber nicht festgestellt werden.

Herausforderungen bleiben weitgehend unverändert

Hinter dem Arbeitskräftemangel (44 %) belegen weiterhin die politischen Rahmenbedingungen (41 %) sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage (35 %) die Plätze 2 und 3 der grössten Herausforderungen. Insgesamt werden die Herausforderungen ähnlich eingeschätzt wie in den Vorjahren – mit einer Ausnahme. Die Probleme bei den Lieferketten haben wieder zugenommen. 29 Prozent der Betriebe bewerten diese Herausforderung als gross bis sehr gross, womit der Wert wieder dem Niveau von 2023 entspricht.

Erneut leichte Entspannung beim Arbeitskräftemangel

Der Arbeitskräftemangel hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter abgeschwächt. Im Jahr 2022 bezeichneten noch 62 Prozent der Betriebe diesen als grosse bis sehr grosse Herausforderung, aktuell liegt der Wert bei 44 Prozent. Entsprechend haben auch die negativen Auswirkungen abgenommen. So geben noch 28 Prozent der Betriebe an, offene Stellen nicht besetzen zu können, 2023 lag dieser Wert bei 42 Prozent. Der grösste Mangel besteht weiterhin bei den gelernten Mitarbeitenden. Höhere und spezialisierte Fachkräfte werden im Vergleich zu den Vorjahren wieder stärker gesucht, gefolgt von den Lernenden, Führungspersonen und ungelernte Arbeitskräfte.

Attraktive Anstellungsbedingungen und Automatisierung als Antwort

Wie bereits in den Vorjahren reagieren die meisten Unternehmen auf den Arbeitskräftemangel mit verbesserten Anstellungsbedingungen und Lohnerhöhungen. Besonders die attraktiven Anstellungsbedingungen erreichen mit 63 Prozent einen neuen Höchstwert im Jahresvergleich. Lohnerhöhungen werden mit 56 Prozent zwar weiterhin häufig eingesetzt, haben jedoch tendenziell leicht an Bedeutung verloren. Weitere häufig genannte Massnahmen sind die aktive Personalentwicklung (48 %), Veränderungen der Unternehmens- und Führungskultur (38 %) sowie die Erweiterung des Rekrutierungsradius (33 %). Auf betrieblicher Ebene setzen viele Unternehmen auf Anpassungen der Angebots- und Dienstleistungspalette (43 %), Automatisierung (41 %) sowie die Auslagerung von Arbeiten (37 %). Zugenommen haben im Vergleich zu den Vorjahren insbesondere die Anpassung des Geschäftsmodells (34 %), die Eröffnung von Filialen oder Betriebsstätten an anderen Standorten (11 %) sowie ein möglicher Wegzug an einen anderen Standort (4 %).

Weiterhin grosser Handlungsbedarf bei Bürokratieabbau und Raumplanung

Der Handlungsbedarf bei den politischen Rahmenbedingungen bleibt hoch und zeigt gegenüber den Vorjahren keine wesentlichen Veränderungen. Besonders gross wird er weiterhin beim Bürokratieabbau (69 %) sowie bei Raumplanung und Baubewilligungen (49 %) eingeschätzt. Beim Thema Verfügbarkeit von Bauland und Nutzflächen haben die Herausforderungen im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. 56 Prozent der Unternehmen geben an, Schwierigkeiten bei der Suche nach verfügbarem Bauland oder geeigneten Mietflächen zu haben. Für 47 Prozent behindert die eingeschränkte Verfügbarkeit von Bauland beziehungsweise Nutzflächen die betriebliche Entwicklung. Damit geht aus Sicht der Unternehmen erhebliches Wertschöpfungspotenzial für Graubünden verloren. Gegenüber dem Vorjahr (36 %) ist dieser Wert deutlich angestiegen. Auch die Verfügbarkeit von Wohnraum für Arbeitskräfte bleibt eine zentrale Herausforderung: Bei 43 Prozent der Betriebe erschwert fehlender Wohnraum die Anstellung neuer Mitarbeitenden.

Schwerpunkt Digitalisierung und KI

Unternehmen setzen auf Effizienz durch Digitalisierung

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Bündner Unternehmen bei der Digitalisierung bereits weit fortgeschritten sind. Rund 40 Prozent der Betriebe schätzen sich stark bzw. weitgehend digitalisiert ein und 50 Prozent als teilweise digitalisiert. Der grösste zusätzliche Digitalisierungsbedarf besteht in der Administration und im Backoffice (59 %), gefolgt vom Einsatz von KI (52 %) sowie der IT-Sicherheit (40 %). In den letzten drei Jahren wurde vor allem in der Buchhaltung und Administration (78 %), in Cloud-Lösungen (53 %) sowie Prozessautomatisierung (45 %) investiert. Die Unternehmen verfolgen mit der Digitalisierung in erster Linie das Ziel, ihre Effizienz zu steigern (85 %), Mitarbeitende zu entlasten (59 %), Kosten zu senken (58 %) sowie ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (47 %). Gleichzeitig zeigt sich, dass Zeitmangel (48 %), fehlendes Know-how (48 %) und fehlende Zeit im operativen Alltag (37 %) die grössten Hürden für eine weitere Digitalisierung darstellen.

KI etabliert sich zunehmend im Unternehmensalltag

KI ist in den Bündner Unternehmen bereits angekommen, befindet sich jedoch vielerorts noch in einer Einführungs- und Lernphase. 83 Prozent der Unternehmen nutzen KI oder testen entsprechende Anwendungen. Lediglich 17 Prozent verzichten bislang vollständig darauf. Am häufigsten wird KI in der Übersetzung (75 %), Korrespondenz (59 %), Marketing und Kommunikation (40 %) sowie in der Administration (36 %) eingesetzt. Am meisten verbreitet ist der Einsatz von allgemeinen KI-Tools wie ChatGPT oder Bild- und Textgeneratoren (51 %), gefolgt vom Einsatz von KI-Funktionen in bestehender Software (17 %). Schwach ausgeprägt ist derzeit noch der Einsatz von individuell entwickelten KI-Lösungen (7 %) und der Entwicklung oder Nutzung von automatisierten KI-Prozessen oder KI-Agenten (5 %). Nur ein Drittel der befragten Unternehmen hat bereits eine konkrete Regelung, um den Datenschutz im KI-Bereich sicherzustellen.


Positive Grundhaltung gegenüber KI

Die Umfrageergebnisse zeigen eine positive Grundhaltung gegenüber der Technologie: 55 Prozent sehen überwiegend Vorteile, 40 Prozent erkennen sowohl Vor- als auch Nachteile, während lediglich für 5 Prozent die Nachteile überwiegen. 75 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass KI die Effizienz und Produktivität steigert, und rund 70 Prozent erwarten Veränderungen bei den Anforderungen an die Mitarbeitenden. Bereits heute berichten 48 Prozent von Zeiteinsparungen durch KI. In den kommenden zwei Jahren rechnen 66 Prozent mit einer Entlastung der Arbeitslast. Nur ein kleiner Anteil (13 %) sieht in den kommenden Jahren eine Zeiteinsparung mit Personalabbau aufgrund von KI-Anwendungen. Die grössten Herausforderungen liegen im fehlenden technischen Know-how (52 %), Datenschutzfragen (47 %), fehlenden Kompetenzen der Mitarbeitenden (47 %) sowie unklaren Anwendungsfällen (45 %). Entsprechend wünschen sich die Unternehmen vor allem einen Überblick über geeignete KI-Lösungen (62 %) und Best-Practice-Beispiele (60 %). Rund ein Drittel sieht eine Unterstützung in einer Standortbestimmung mit konkreten Handlungsempfehlungen, dem Zugang zu Netzwerken, Erfahrungsaustausch oder Best-Practice-Plattformen oder im Bereich Weiterbildung und Schulung für Mitarbeitende.

Deutliche Unterschiede zwischen Unternehmen bei KI und Digitalisierung

Der digitale Entwicklungsstand der Wirtschaft ist heterogen. Während einzelne Branchen bereits weit fortgeschritten sind, bestehen in anderen Bereichen weiterhin grössere Digitalisierungspotenziale. Digitalisierung und KI werden insbesondere von grösseren, exportorientierten und wissensintensiven Unternehmen als zentrale Zukunftsthemen betrachtet. Entsprechend messen diese Unternehmen der Digitalisierung und KI auch eine grössere strategische Bedeutung zu: von knapp der Hälfte aller Unternehmen wird diese als hoch oder sehr hoch eingestuft, weitere 34 Prozent bewerten sie als mittelmässig. Der breite Einsatz von KI konzentriert sich aktuell ebenfalls vor allem auf grössere sowie exportorientierte Unternehmen. Kleinere oder traditionellere Branchen befinden sich dagegen vielfach noch in einer frühen Phase der Anwendung. Grössere Unternehmen verbinden mit KI deutlich stärkere Erwartungen an Produktivitätssteigerungen und Effizienzgewinne.  Die Wahrnehmung von KI hängt stark von den praktischen Einsatzmöglichkeiten und den verfügbaren Ressourcen ab. Unternehmen mit konkreten Anwendungserfahrungen erkennen häufiger Chancen und Effizienzpotenziale, während andere Unternehmen Risiken oder Unsicherheiten stärker gewichten.

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