Höhere Priorität für Isla Bella und Bivio gefordert
Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden (DWGR) unterstützen im Grundsatz eine koordinierte Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur. In der Vorlage «Verkehr ’45» werden die besonderen Anforderungen des Berggebiets jedoch unzureichend berücksichtigt. Die Wirtschafts-verbände kritisieren die angewandten Kriterien und fordern, den Ausbau der A13 Reichenau–Rothenbrunnen mit der Engstelle Isla Bella sowie die Umfahrung Bivio auf der Julierstrasse vorzuziehen.
Die DWGR sehen bei der Auswahl und Gewichtung der Bewertungskriterien wesentlichen Korrekturbedarf. Beide für Graubünden zentralen Nationalstrassenprojekte sind in der Vorlage «Verkehr ’45» dem Realisierungshorizont «Weitere» zugeordnet. Nach Ansicht der Wirtschaftsverbände wird diese Einordnung weder ihrer wirtschaftlichen Bedeutung noch ihrer Funktion für das nationale Verkehrsnetz gerecht.
Versorgungssicherheit stärker gewichten
Die DWGR anerkennen, dass der Bund angesichts begrenzter Mittel Prioritäten setzen muss. Durchschnittliche Verkehrsmengen und die Bevölkerungsdichte allein bilden die Bedeutung von Verkehrsverbindungen, insbesondere im Berggebiet jedoch unzureichend ab. Die strategische Landesversorgung soll als eigenständiges und hoch gewichtetes Kriterium in die Bewertung einfliessen. Ebenso stärker zu berücksichtigen sind die Funktionsfähigkeit des Netzes bei Ausfällen, fehlende Alternativen auf Strasse und Schiene sowie Naturgefahren. Entscheidend ist, ob eine Verbindung auch im Ereignisfall die Versorgung ganzer Regionen sicherstellen kann. In einem weitläufigen Gebirgskanton mit wenigen Ausweichverbindungen ist eine sichere und zuverlässige Verkehrsinfrastruktur eine zentrale Standortvoraussetzung. Feiertage und Ferienzeiten führen in Graubünden regelmässig zu Belastungen, die weit über dem Durchschnitt liegen. Die Erreichbarkeit von Betrieben und Tourismusdestinationen sowie funktionierende Lieferketten müssen auch bei Störungen und hohen Verkehrsbelastungen gewährleistet sein, insbesondere wenn Ausweichrouten nicht vorhanden sind.
Isla Bella hat nationale Bedeutung
Die A13 über den San Bernardino ist eine zentrale Nord-Süd-Verbindung. Sie verbindet die Ostschweiz und Graubünden mit dem Tessin und übernimmt bei Einschränkungen der Gotthardachse zusätzlichen Personen- und Güterverkehr. Für die Verkehrsbeziehungen über den San Bernardino fehlt zudem eine gleichwertige Bahnalternative. Der Ausbau bei Isla Bella ist deshalb aus Sicht der DWGR als Vorhaben von nationaler Bedeutung zu beurteilen. Der Engpass zwischen Reichenau und Rothenbrunnen schwächt die Leistungsfähigkeit der gesamten Achse. Die Folgen reichen weit über die Nationalstrasse hinaus. Ausweichverkehr belastet die umliegenden Gemeinden und beeinträchtigt auch den öffentlichen Verkehr und Rettungsdienste. Für Handwerksbetriebe, Lieferanten und Dienstleistungsunternehmen bedeuten schwer kalkulierbare Verzögerungen höhere Kosten und eine erschwerte Einsatzplanung. Für ein Vorziehen sprechen auch die Sicherheit der Tunnel mit Gegenverkehr und die künftig notwendigen Sanierungen. Die DWGR beantragen deshalb die Zuordnung von Isla Bella zum Realisierungshorizont 2045. Mindestens ist eine verbindliche Aufnahme in den Horizont 2055 sicherzustellen.
Umfahrung Bivio bis 2045 vorziehen
Auch bei Bivio besteht aus Sicht der Wirtschaftsverbände dringender Handlungsbedarf. Die Ortsdurchfahrt weist eine faktisch nur im Einbahnregime passierbare Engstelle ohne Trottoir auf – was für eine Nationalstrasse mit wichtiger Versorgungsfunktion auf Dauer nicht vertretbar ist. Die Julierstrasse ist die wichtigste ganzjährig befahrbare Strassenverbindung zwischen Nordbünden und dem Oberengadin. Nach der Beseitigung des Engpasses in Mulegns verbleibt Bivio als letzter wesentlicher Engpass auf dieser Achse. Die DWGR fordern entsprechend, die Umfahrung vom Horizont «Weitere» in den Realisierungshorizont 2045 vorzuziehen.